Zur Geschichte und zum musikalischen Selbstverständnis der Hot Jazz Stompers
Nunmehr fast fünf Jahrzehnte lang stehen sie gemeinsam auf der Bühne:
die Hot Jazz Stompers, älteste Jazzband im Cloppenburger Raum.
Bands gründen sich und zerfallen in heutiger Zeit oft recht schnell. Nicht so bei den HJS. Seit dem 2. 7. 1978, ihrem ersten Auftritt beim Pfarrfest der St.-Augustinus-Kirchengemeinde in Cloppenburg, ist diese Formation aus dem Musikleben der Kreisstadt nicht mehr wegzudenken.
Die Pflege der Jazzmusik aus New Orleans und Chicago des beginnenden vorigen Jahrhunderts und der Happy Jazz Musik der Dixieland-Revivals der 50er und 60er Jahre haben sich die Musiker auf ihre Fahne geschrieben. Nun sollen – so die Maxime der HJS – Louis Armstrong, Chris Barber, die Dixieland-Klassiker oder Swing-Größen und seit Neustem auch modernere Jazzmusiker zwar Vorbilder sein, ihre Musik aber auch als Orientierungshilfe zur kreativen Weiterbearbeitung dienen. So bleiben die Stompers also nicht beim traditionellen Hot Jazz stehen, sondern spielen auch einige der vom starken Bläsersatz getragenen Stücke der Blues Brothers, von Ray Charles oder Duke Ellington, die vom HJS-Trompeter Jens Buschenlange arrangiert wurden. Die musikalische Vielfalt des HJS-Repertoires wird nochmals erweitert durch die Bluesmundharmonika und den Gesang von Thomas Kuhlmann, der seit dem November 2023 die Frontline der Band verstärkt.
Betrachtet man anlässlich des 47-jährigen Bühnenjubiläums der
Hot Jazz Stompers, das mit einem glanzvollen Konzert im Cloppenburger Traditionshaus Hotel Taphorn gefeiert wurde, die musikalische Entwicklung der Jazzband, so kann man feststellen, dass diese geprägt wurde durch verschiedene Faktoren.
Die Vorläuferbands (Otto`s Skifflegroup, Band ohne Namen,
Dr. Jazz and his Steamboat Stompers) setzten sich aus Cloppenburger jungen Erwachsenen zusammen, die von den legendären Jazzkonzerten im von Felix Viegener geführten „Briefkasten“ in Cloppenburg fasziniert und inspiriert waren. Dort traten in den 1960er Jahren die „großen“ Bands aus Hamburg, Köln und Düsseldorf auf. Und wir faszinierten Zuhörer dachten jedes Mal, so etwas müsste eine Band aus Cloppenburg auch spielen können. Dass Wille, Faszination und passable Fähigkeiten in der Beherrschung des eigenen Instruments zwar Voraussetzung sind, jedoch für eine Jazzband von musikalischer Qualität nicht ausreicht, wurde allen Beteiligten bald klar. Es dauerte lange Jahre und bedurfte nach vielen Rückschlägen mutiger Neuanfänge. Neben einem damals noch qualitativ und zahlenmäßig stark begrenzten Repertoire (Gospelsongs, einfache klassische Jazzstücke, Gassenhauer), mangelte es den engagierten Musikern der Gründerjahre einfach an Know-how, um über bescheidene Anfänge hinwegzukommen. Es wurde viel experimentiert und nachgeahmt. Stark begrenzte Auftrittsmöglichkeiten hemmten außerdem die Entwicklung der Vorläuferbands der Hot Jazz Stompers.
Immer mit dabei waren Harald Hentschel (Bass) und Otto Nordiek (Banjo, Gitarre), die über Jahre hinweg ihrem Traum einer Cloppenburger Jazzband nachjagten. Bis die beiden im März 1978 Harald Schmücker aus Löningen trafen, der während seines Studiums in verschiedenen Dixielandbands in Köln und Düsseldorf (neben Berlin, Hamburg, Frankfurt und München eine der deutschen Hochburgen des Dixieland in den 60er Jahren) als Klarinettist und Saxofonist vielfältige Erfahrung gesammelt hatte und nun beruflich wieder in seine Südoldenburger Heimat zurückgekehrt war. Diese drei Musiker beschlossen die Gründung der ersten Cloppenburger Jazzband. Der Name Hot Jazz Stompers war bald gefunden, weil „hot“-Intonation und „Stomp“ sich aus dem Jazzrepertoire und der Spielweise des alten New-Orleans-Jazz und dem der 20er Jahre in Chicago ergab, von der die „Gründungsväter“ sich angezogen fühlten.
Nicht nur der oftmalige Wechsel in der Besetzung der Hot Jazz Stompers mit Musikern mit ganz speziellen Fähigkeiten, sondern auch die sehr unterschiedlichen Anlässe der Auftritte (Kneipenkonzerte, Stadtfeste, Hochzeiten, Geburtstage, Gartenfeste und in den letzten Jahren Konzerte mit externen Künstlern) brachten Veränderungen im Repertoire mit sich. Den Dixieland nie aus den Augen verlierend, erweiterten die Stompers ihr Repertoire bis heute in den Bereichen Soul, Rhythm & Blues, Adaptionen des orchestralen Jazz, Funk, Happy-Jazz und Jazz-Klassiker mit plattdeutschen Texten. Das ermöglichte der Band, flexibel auf das Publikum, den Auftrittsanlass und den Verlauf des Konzertes zu reagieren – ein Umstand, der vom Publikum immer wieder lobend hervorgehoben wurde und sehr unterschiedliche Auftritte verschaffte. Dabei sollte aber nie die bandeigene Vorstellung von Jazz verloren gehen.
Verständlich, dass Voraussetzung für diese Entwicklung die geeignete personelle Zusammensetzung und der Wille zur Steigerung des eigenen Anspruches sind. Was die personelle Zusammensetzung angeht, kamen neben dem amerikanischen Jazzsänger Joel Guzman, der neben seiner persönlichen Interpretation der Jazzstandards besonders die Bühnenpräsenz der Band nachhaltig beeinflusste, junge Musikstudenten der Osnabrücker Hochschulen zur Band – Musiker, die zusammen mit den Arrangements unseres bei seinem Bandeintritt 19jährigen Garreler Trompeters Jens Buschenlange für die Zuhörer ein neues Hörerlebnis ermöglichten. So wurden die Hot Jazz Stompers also auch ein „Aus- und Weiterbildungsbetrieb“ mit hohem Anspruch und attraktiven Rahmenbedingungen für die jungen Musiker, angehende Profis – Umstände, die eine Universitätsausbildung in dieser Intensität nicht immer bieten kann. Das Aufeinandertreffen gestandener und junger Jazzer führte zu einer vielfältigen gegenseitigen „Befruchtung“ zum Wohle aller Beteiligter und damit der gesamten Band. So bilden die jungen zusammen mit den gesetzteren Stompers eine kernige Mischung.
Außerdem wurden für uns im Laufe der Zeit freie Improvisation und Musizieren nach fester Notation kein sich widersprechender Gegensatz, zumal beiden im gekonnten Arrangement von Jens Buschenlange ausreichend Raum gegeben wurde. Ausgelassene Spielfreude, gepaart mit technischen Feinheiten am Instrument, in größere Rahmen eingebettete Duette – auch zwischen Sänger und Instrument – Chase-Chorusse, Scatgesang als zusätzliches „Instrument“ und vieles mehr bestimmen den neuen Sound der Hot Jazz Stompers.
Das alles führte in den letzten Jahren zu einem neuen Selbstverständnis der Band.
Parallel zu dieser musikalischen Entwicklung und Veränderung in der personellen Bandstruktur wurden anfallende und immer vielfältiger werdende Aufgaben innerhalb der Band auf verschiedene Schultern verteilt.
Besondere Veränderung erfuhr die Arbeit in der Band in jüngerer Vergangenheit dadurch, dass Günter Buschlange zunehmend seine Fähigkeiten als Manager der Stompers entdeckte und sie gewinnbringend einsetzte. Seine vielfältigen Kontakte ermöglichten große und umjubelte Konzerte mit internationalen Künstlern. Diese waren Mark Wright aus New York mit seiner 30-jährigen Banderfahrung bei der Preservation Hall Jazzband in New Orleans (2018); Ack van Rooyen, Flügelhorn (2016); Juraj Stanik, Piano (2016); Norbert Susemihl, Trompete (2017); Soulsängerin Esther Filly (2018); Frank-Sinatra-Interpret Jens Sörensen (2018); A-Capella-Ensemble „Spread Voice“ (2017/18).
Günter Buschenlanges Initiative sind außerdem die USA-Konzert-Touren im Herbst 2016 (Chicago bis New Orleans) und im Januar 2018 (New York) zu verdanken, jeweils mit spektakulären Konzerten und einzigartigen Erlebnissen. Und weitere Konzertreisen sind schon geplant unter anderem eine vierwöchige USA-Bandreise, wieder mit vielen Konzerten, unter anderem in Chicago, Kansas City, Memphis, Hannibal, St. Louis, Clarksdale und New Orleans. Die amerikanischen HJS-Freunde warten auf die Band und fragen, wann die Stompers wieder den „German Style of Jazz“ zu ihnen bringen.
So sind die Hot Jazz Stompers auch „Botschafter“ aus dem Landkreis und der Stadt Cloppenburg in den USA, der Heimat unserer Musik, geworden. Den Nachfahren der deutschen Auswandererfamilien bringen wir deutsche Volks- und Stimmungslieder im Jazzgewand und Jazzstandards mit, die für uns von dem Plattdeutsch-Dichter Ludgerd Lüske aus Resthausen bei Friesoythe in die plattdeutsche Sprache übersetzt wurden.
Im Dezember 2019 fügten die Hot Jazz Stompers ihrer langen Reihe besonderer Konzerte ein weiteres hinzu, als sie in der Basilika des Wallfahrtsortes Bethen bei Cloppenburg vor mehr als 500 begeisterten Zuhörern ein Konzert zusammen mit dem St. Andreas Gospelchor Cloppenburg spielten. Die Flexibilität, die Improvisationsfreude und der Mut zu einem nicht alltäglichen, überaus gelungenen Gospel-Jazz-Experiment fanden weit über die Grenzen Cloppenburgs hinaus begeisterten Widerhall.
Im April 2022 reihte sich ein weiteres Highlight in die Geschichte der Stompers ein. Reverend John Lee Hooker Jr., der Sohn des legendären amerikanischen Bluesmusikers gleichen Namens, gab in der Cloppenburger St.-Josef-Kirche zusammen mit der „Big Hot Jazz Stompers Band“ ein umjubeltes Konzert, zu dem die Jazzband um Musiker aus den Landkreisen Vechta und Diepholz erweitert wurde. Die 13 Musiker starke Band begleitete die amerikanische Musiklegende bei der Präsentation der Eigenkompositionen, die auf ihrer neuesten CD erschienen waren. Die Qualität der Band, sich mit großem Können und musikalischem Einfühlungsvermögen auf die Musik berühmter Gaststars einzulassen zu können, zeigte sich auch in diesem Konzert, das ein überwältigendes Echo fand und seine Fortsetzung erfahren soll. Sie gründet sich nicht zuletzt auf den Profierfahrungen der jüngeren Bandmitglieder und der Gastmusiker dieses Bandprojektes.
Im Sommer 2023 veröffentlichten die Hot Jazz Stompers ihre zweite CD, auf der sie einen Mitschnitt des umjubelten Konzertes der Band vom Januar 2023 im Gulfhaus Vechta präsentieren. Die CD mit dem Titel „Down the Mississippi“ gibt einen überzeugenden Einblick in das breit gefächerte Repertoire und die musikalische Qualität der Band. Beim Hörgenuss nimmt die CD die HörerInnen mit in das New Orleans um die Wende zum 20. Jahrhundert.
Die Musik der Hot Jazz Stompers wird geprägt von Kreativität, Spontaneität, Spielfreude und einem sehr engen Kontakt zum Publikum. Sie ist Musik zum Anfassen und wird am intensivsten erfahren in der besonderen Atmosphäre der Live-Auftritte.
All dieses ist mit großem ideellem Engagement und persönlichem Einsatz ganz vieler Menschen zustande gekommen, die hinter dem stehen, was auf der Bühne zu sehen und zu hören ist. Denn eines ist ganz klar: Eine Jazzband in Südoldenburg wie die Hot Jazz Stompers ist etwas ganz Großartiges, ja Besonders, wenn man sie als aktiver Musiker und als Zuhörer erleben darf.
In der aktuellen Besetzung spielen die Hot Jazz Stompers mit 8 Musikern:

Günter Buschenlange (Trompete, Flügelhorn)
Jens Buschenlange (Trompete, Kornett, Arrangements)
Jan Bostelmann (Tenor-, Sopransax & Flöte)
Niko Förster (Tenor Bass)
Thomas Kuhlmann (Blues Harp, Gesang)
Ferdi Engelmann (Schlagzeug)
Michael von Klitzing (Bass, Gesang)
Otto Nordiek (Banjo, Gitarre)
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Besondere Konzertprogramme …
Für interessierte Veranstalter bieten die Hot Jazz Stompers neben anderen Setlisten Konzerte mit vier unterschiedlichen Themenschwerpunkten an:
- Konzert mit dem Thema „Down the Mississippi“
mit der Schilderung der 2016er Konzertreise der Band von Chicago nach New Orleans / Dieses Konzert ist in unserer gleichnamigen CD zu hören.
- Konzert mit dem Thema „Down in New Orleans“
Mit Hilfe ausgesuchter Jazzstücke machen wir unsere Aufwartung bei Musikern der Jazzmetropole, die wesentlich zur Entstehung und Entwicklung des Jazz beigetragen haben bzw. die Tradition dieser Musik durch ihr Engagement fortführen. Dabei werden auf musikalische Art unter anderem diese Jazzgrößen der Stadt am Mississippi-Delta gewürdigt: Louis Armstrong, Buddy Bolden, Kermit Ruffins, Paul Barbarin und Norbert Susemihl.Außerdem werfen wir einen musikalischen Blick auf die Vergnügungen am Lake Pontchartrain im Norden von New Orleans, lassen die große Tradition der Jazzbeerdigungen aufleben, und stürzen uns schließlich in den Trubel des New Orleanser Karnevals. Zudem bekommen die KonzertbesucherInnen Informationen zu gesellschaftlichen Veranstaltungen und zum sozialen Miteinander im New Orleans der 1900er und 1910er Jahre.
- Konzert mit dem Thema „Meeting Mississippi Heroes“
Im Mittelpunkt dieses Konzertes stehen die Jazz- und Bluesgrößen aus New Orleans und dem Mississippi-Tal sowie die Einwanderer aus China, Deutschland und Italien. Musikalische Abstecher nach St. Louis, Chicago und New York runden das Programm ab.
- Konzert mit dem Thema „Jazzing on the Streets of New Orleans“ (ab Herbst 2026)
Viele Straßen von New Orleans werden in Musiktiteln der Wende zum 20. Jahrhundert erwähnt. Die Hot Jazz Stompers erinnern musikalisch an das Leben auf den Straßen und Plätzen in dieser Zeit.
- Konzert mit dem Thema „1910s: Jazzing with the people of New Orleans“ (ab Herbst 2027)
In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts begann die rasante Entwicklung der Jazzmusik in und um New Orleans, die aus verschiedenen musikalischen Wurzeln hervorging. Dieses wurde von allen Gesellschaftsschichten der Metropole am Mississippi-Delta gelebt, aber von einigen Zeitgenossen auch kritisch betrachtet.


